Bernhard hat geschrieben:
na ja, aquadraht, am Anfang war das sehr wohl eine "Einkindpolitik" (wenn ich richtig informiert bin). ..
Da bist Du in dieser allgemeinen Form nicht richtig informiert, soweit ich weiss. Die strikte Regelung galt meines Wissens nur in den Städten, wo die Regierung über die Staatsbetriebe und die damit verbundenen danwei auch die stärkeren Hebel hatte. Auf dem Land war eher das Problem, dass die Umsetzung teilweise mit ziemlicher Willkür einherging. Das ist ein generelles Problem sowohl der mangelhaften Zentralisierung als auch der gerade in den Anfängen der Reformpolitik nur rudimentären Verrechtlichung staatlichen und öffentlichen Handelns.
Zitat:
Ich hab mal die Autobiographie einer Chinesin gelesen, die sich schweren Herzens entschlossen hatte, ihr zweites Kind abzutreiben, weil dieses Kind ein "niemand" gewesen wäre, ohne Anspruch auf ausreichende medizinische Versorgung, höhere Schulbildung, etc.. Das war in den frühen 80-er Jahren.
Der Ausschluss der zusätzlichen Kinder von öffentlichen Leistungen war in der Tat der wesentliche Hebel der Geburtenkontrollpolitik. Das ist natürlich sehr unschön, obwohl es sich noch im Rahmen der Gesetze bewegt (im Unterschied zu Zwangsabtreibungen und Zwangssterilisierungen, die stellenweise nicht selten vorkamen, aber ungesetzlich waren).
Zitat:
Ob man nicht von Vergreisung sprechen kann, wird sich zeigen. Jetzt im Moment natürlich nicht, aber wenn quasi von einer Generation auf die andere die Zahl der Kinder pro Familie von 3 auf 1,3 (?) sinkt, dann bringt das Probleme mit sich. Ich weiß nicht, ob diese Zahlen realistisch sind, aber in dieser Größenordnung dürften sie wohl liegen.
Da durch die Verstädterung viele ehemalige Bauern sowie Minderheitenangehörige in die Städte ziehen, ist der Übergang eher gleitend. Einen Altenüberschuss gibt es naturgemäss dann, wenn die sehr starken Jahrgänge (die Babyboomer) alt werden. "Vergreisung" ist ohnehin eine blödsinnige Parole der Versicherungswirtschaft bei uns und ihrer Megaphone Rürüp, Riester und Konsorten. Logischerweise wird dieser "Rentnerberg" (eine andere dieser "menschenfreundlichen" Parolen, bei denen mir immer "überzählige Menschen", "Judenfrage" etc. in den Sinn kommt) nach wenigen Jahrzehnten auf natürliche Weise verschwinden. Die Hysterie ist daher reine Meinungsmache.
In einer Gesellschaft mit hoher Lebenserwartung ist die Belastung der Versorgungssysteme durch nicht produktive Gesellschaftsmitglieder (also Kinder und Jugendliche, Rentner, Arbeitsunfähige und Arbeitslose) im Schnitt um eine Grössenordnung geringer als in durch riesige Anteile der unter 20jährigen geprägte Gesellschaften in niedrig entwickelten Entwicklungsländern, wo es wenige Alte (Rentner mangels Rentensystem eh nicht) gibt, da die meisten noch im Erwerbsalter sterben, höchstens zwei Drittel der Kinder das Erwerbsalter erreichen und sowohl Morbidität als auch Erwerbslosigkeit gewaltig sind.
Zitat:
So sinnvoll dieser Eingriff "aufs Land gesehen" erscheint, so sehr muss man auch die persönlichen Schicksale bedenken, die daraus resultieren. Ein armer Bauer, der nur zwei Töchter hat, hat ein ernsthaftes Problem, wenn er alt wird. ..
Natürlich hat China mit der "demographischen Kontrolle" seiner Bevölkerung einen großen "Erfolg" vorzuweisen, aber man muss auch fragen: zu welchem Preis?
Sicher. Und man soll auch die schweren Missgriffe bei der Durchsetzung der Geburtenkontrolle nicht kleinreden. Andererseits kenne ich Länder wie Indien mit ihren 200-400 Millionen Hungernden und der noch grösseren Zahl von Menschen, die von 20Rp (0,3€) am Tag leben (nunja) und in Bretterbuden und Pappkartons hausen müssen. Die dortige tägliche Gewalt durch die Verhältnisse, durch Kriminalität und auch die Menschen (die in solchen Verhältnissen untereinander nicht besser werden) untereinander, vor allem gegen Frauen und Kinder, ist um einiges schlimmer als die übelsten Missgriffe, Willkür- und Gewaltakte der Geburtenkontrolle in China. Dabei ist das noch kein armes Entwicklungsland, die kann man in Afrika "bewundern".
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