Zitat:
"Weltweite internationale Proteste zwangen die Behörden, den 54 Jahre alten Künstler nach 81 Tagen auf Kaution freizulassen."
Dies dürfte allerdings in der Tat eine Rolle gespielt haben. China möchte unbedingt seinen weltweiten Einfluss, insbesondere seine "Soft Power" (nach Nye) erhöhen - und das geht nun mal nur, wenn es die weltweite Meinung nicht mit Füssen tritt...
Die Problematik, welcher der Autor wohl mit doch eher bescheidenem Erfolg beschreiben wollte, ist, dass in China eine extreme Rechtsungleichheit herrscht. Wer Funktionär ist und keine Steuern bezahlt, hat nicht szu befürchten - selbst wenn er Bestechungsgelder annimmt, ist das ok. Für Unternehmer, die der Partei genehm sind, gilt dasselbe - und für kleine Gewerbetreibende erst recht.
Wenn aber jemand unangenehm auffällt, wird er plötzlich ins Detail durchleuchtet, bis ein Fehlverhalten entdeckt wird, das man gegen ihn verwenden kann.
Wenn natürlich die Firma auf den Namen seiner Frau registriert war, sollte eigentlich sie drankommen. Und da es sich um eine Firma handelt, sollte eigentlich nur die Firma und nicht irgendwelche Investoren belangt werden können. Und wenn die Firma das Einkommen im Ausland erzielt hat, sollte sie es auch dort versteuern, da China eigentlich mit den meisten Ländern Doppelbesteuerungsabkommen hat - auch wenn der Firmeninhaber in China lebt.
Aber wer rechtliche Fragen in China aus der europäischen Rechtsperspektive beurteilt, hat ohnehin schon verloren und sollte sich dringend einmal mit der chinesischen Staatsstruktur auseinandersetzen. Doch dafür fehlt Onlinejournalisten wohl die Zeit. Hätte der Journalist gemerkt, dass es in China kein unabhängiges Rechtssystem gibt und dass Ai Weiwei ein Künstler ist, welcher der regierenden Elite unangenehm ist, hätte er es so beschreiben können, dass es europäische Leser verstehen: nämlich dass Ai nicht wegen eines Steuervergehens, sondern wegen sittenwidrigem Verhalten bestraft wird. Also quasi gleich, wie wenn jemand nackt durck die Strassen von Berlin spaziert und von der Polizei gebüsst wird, obwohl er keine exhibitionistische Straftat begannen hat.