Wie wird man eigentlich...
Re: Wie wird man eigentlich...
Wäre ich in China geboren, hätte ich mich wohl auch für eine KP-Mitgliedschaft entschlossen:
Man erhält da ein super Netzwerk, ist am politischen Puls der Zeit, steht über dem Gesetz (KP-Mitglieder können in China nicht strafrechtlich belangt werden!) und finde Leute, die mitarbeiten, wenn ich etwas tun möchte. Ist doch soweit 'ne coole Sache für jemanden, der einen gewissen Ehrgeiz besitzt.
Warum VielUnterwegs so eine Antipathie gegen KP-Mitglieder hegt, kann ich beim besten Willen nicht nachvollziehen. Jeder, der eine aktive Persönlichkeit hat, kann doch in der KP eine gute Plattform für seine Aktionen finden - meiner Meinung nach fördert sie also eher selbständiges denken. Ich kenne Leute, die haben während ihrem Studium ein Programm organisiert, unter welchem Schülern in armen Gebietne des Landes mit Nachhilfe geholfen wird. In der KP hatten sie einen Mentor, der sie gecoacht hat und ihnen Rückendeckung gab - auch gegenüber der Uni-Leitung.
Ich persönlich würde einen Studenten, der KP-Mitglied ist, auf jeden Fall gegenüber einem gleichguten Studenten, der nichts neben der Uni gemacht hat, bevorzugen. Aber natürlich würde dies auch für Vereinsmitgliedschaften anderer Art gelten.
Man erhält da ein super Netzwerk, ist am politischen Puls der Zeit, steht über dem Gesetz (KP-Mitglieder können in China nicht strafrechtlich belangt werden!) und finde Leute, die mitarbeiten, wenn ich etwas tun möchte. Ist doch soweit 'ne coole Sache für jemanden, der einen gewissen Ehrgeiz besitzt.
Warum VielUnterwegs so eine Antipathie gegen KP-Mitglieder hegt, kann ich beim besten Willen nicht nachvollziehen. Jeder, der eine aktive Persönlichkeit hat, kann doch in der KP eine gute Plattform für seine Aktionen finden - meiner Meinung nach fördert sie also eher selbständiges denken. Ich kenne Leute, die haben während ihrem Studium ein Programm organisiert, unter welchem Schülern in armen Gebietne des Landes mit Nachhilfe geholfen wird. In der KP hatten sie einen Mentor, der sie gecoacht hat und ihnen Rückendeckung gab - auch gegenüber der Uni-Leitung.
Ich persönlich würde einen Studenten, der KP-Mitglied ist, auf jeden Fall gegenüber einem gleichguten Studenten, der nichts neben der Uni gemacht hat, bevorzugen. Aber natürlich würde dies auch für Vereinsmitgliedschaften anderer Art gelten.
Erst wenn der letzte Baum gefällt, der letzte Fluss gestaut und der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr feststellen, dass man Biber nicht essen kann!
Re: Wie wird man eigentlich...
Das gilt für alle 78 Millionen oder nur für die höheren Tiere?Aremonus hat geschrieben:KP-Mitglieder können in China nicht strafrechtlich belangt werden!
Re: Wie wird man eigentlich...
In der Theorie für alle 78 Millionen - wenn sie etwas ausgefressen haben, müssen sie zu erst vor die Disziplinarkomission der KP. Dort können sie von der Partei ausgeschlossen werden - und danach kann erst ein strafrechtliches Verfahren gegen sie eingeleitet werden.Das gilt für alle 78 Millionen oder nur für die höheren Tiere?
Wie das aber in der Praxis gehandhabt wird, kann ich nicht beurteilen. Von dem, was ich in den (von der KP kontrollierten...) Zeitungen lese, scheint die Regelung aber so durchgesetzt zu werden.
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selenblack
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Re: Wie wird man eigentlich...
Genau das bekommt man aber auch durch eine Parteimitgliedschaft: guanxi! Das ist ja der Hauptvorteil dabei, nicht, dass es im Lebenslauf steht. In vielen Bereichen des Lebens haben die KP-Mitglieder noch viel zu sagen, auch in vielen Unternehmen. Ich kann mir schon vorstellen, dass es für nen Uni-Absolventen von Vorteil ist, über Mitgliederversammlungen u.ä. an guanxi zu kommen.VielUnterwegs hat geschrieben:Und zu den Vorteilen: So gross sind die nicht. Klar, bei Firmen wie Sinopec und co. wird man in der Theorie bevorzugt. In der Praxis werden 95+% der Jobs dort aber komplett ueber Vitamin-B vergeben oder regelrecht verkauft. Bei internationalen Firmen hilft das in China verbreitete "Politische Gesinning: Mitglied der KPCh" aber eher selten, bzw. hat sogar negative Auswirkungen.
Re: Wie wird man eigentlich...
Kann die Partei denn auch jemanden verurteilen, also z.B. in ein eigenes KP Gefängnis schicken?Aremonus hat geschrieben:In der Theorie für alle 78 Millionen - wenn sie etwas ausgefressen haben, müssen sie zu erst vor die Disziplinarkomission der KP. Dort können sie von der Partei ausgeschlossen werden - und danach kann erst ein strafrechtliches Verfahren gegen sie eingeleitet werden.
Re: Wie wird man eigentlich...
Genau so ist meine Frau vor ein paar Jahren in die KPCh eingetreten.selenblack hat geschrieben:Ich weiß von einer ehemaligen Studentin von mir, dass den jeweils Jahrgangsbesten an den Unis bzw. Studenten, die sich besonders ausgezeichnet haben, die Mitgliedschaft angeboten wird.
Die Jahrgangsbesten wurden von den Lehrern rausgepickt und haben dann die Unterlagen bekommen. Dort musste man diverse Fragen beantworten, auch eine Art Lebenslauf schreiben. Ich denke das auch geprüft wurde ob die Eltern (oder nähere Verwandte ) eventuell Straftäter sind, Mitglieder müssen sie nicht sein.
Natürlich hat man Vorteile mit der Mitgliedschaft, man bekommt aber nichts geschenkt. Es ist eher eine offene Tür auf diverse Chancen. Beispielsweise konnte man sich als Student 2007 für diverse organisatorische Tätigkeiten für die olympischen Spiele bewerben. Da wurden nur Mitglieder der KPCh ins Bewerbungsverfahren zugelassen. Konkurrenz gibt es dann immer noch genug.
Laut meiner Frau macht es immer einen guten Eindruck in Bewerbungen ( bei chinesischen Firmen ) wenn man KPCh Mitglied ist. Es zeigt das man schon irgendwann mal in sein Leben Leistung gebracht hat und aus einem guten Hause (nicht reichen, sondern ohne Auffälligkeiten ) stammt.
Das erinnert mich ein kleines bisschen an die damals eingeführten "Kopfnoten" in Deutschland
Man schaut halt drauf, hauptsächlich wird aber nach der Qualifikation entschieden.
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Re: Wie wird man eigentlich...
In der Praxis kontrolliert und ist die Partei Exekutive, Judikative und Legislative. Sie kann also sowieso jeden den sie will irgendwohin stecken. Die Frage erübrigt sich.blur hat geschrieben:Kann die Partei denn auch jemanden verurteilen, also z.B. in ein eigenes KP Gefängnis schicken?Aremonus hat geschrieben:In der Theorie für alle 78 Millionen - wenn sie etwas ausgefressen haben, müssen sie zu erst vor die Disziplinarkomission der KP. Dort können sie von der Partei ausgeschlossen werden - und danach kann erst ein strafrechtliches Verfahren gegen sie eingeleitet werden.
Und das mit den Vorteilen bei Bewerbungen halte ich immer noch für ein Gerücht, an das eben KPCh Karteileichen gerne glauben. Man ist halt gern was besseres, egal wo auf der Welt.
Re: Wie wird man eigentlich...
Das wüsste ich nicht. Von dem, was man so hört, beschränkt sich die Disziplinarkomission zumeist darauf, Mitglieder zu degradieren oder bei schlimmeren Vergehen auszuschliessen. Die Gefängnisstrafe wird dann, wenn das Mitglied ausgeschlossen wurde und seine Immunität verlor, durch ein ordentliches Gericht erteilt. Dass der Richter dort natürlich Parteimitglied ist, lässt schon vermuten, dass die Jungs von der Disziplinarkomission ein Wörtchen mitzureden haben - aber die genauen Abläufe kenne ich da nicht.Kann die Partei denn auch jemanden verurteilen, also z.B. in ein eigenes KP Gefängnis schicken?
Da die KP ja auch einen wichtigen Teil des Staates ist, kann man da nicht so eine klare Trennlinie wie in Europa zwischen Parteien und Staat ziehen.
An den führenden chinesischen Universitäten ist es, so wie ich das mitbekommen habe, meist so, dass die Mehrzahl der Studenten am Ende KPCh-Mitglieder sind. In jeder Klasse wird da eine Person bestimmt, die Klassenkameraden für eine Mitgliedschaft vorschlägt - und mit dieser Person sollte man, wenn man Mitglied werden möchte, gut auskommen
Erst wenn der letzte Baum gefällt, der letzte Fluss gestaut und der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr feststellen, dass man Biber nicht essen kann!
Re: Wie wird man eigentlich...
Dann kann man als Parteimitglied davon ausgehen, dass einem wirklich nichts passieren kann (außer einer degradierung) es sei denn man bringt ein anderes Parteimitglied um oder in der Art?
Re: Wie wird man eigentlich...
Das wäre definitiv ein Trugschluss. Es besteht bloss noch eine zusätzliche Hürde - das heisst, wenn ein Parteifunktionär sich beispielsweise an einer Frau vergeht, muss er zuerst von der Disziplinarkommission ausgeschlossen werden, bevor eine Strafverfolgung erfolgen kann. Wenn die Kommission der Auffassung ist, dass der Mann gute Arbeit leistet und eine Strafverfolgung der Interesse der Partei schaden könnte, wird er nicht ausgeschlossen und von einer Strafverfolgung wird abgesehen. Gerade in den etwas höheren Stufen (also sobald man politische Ämter bekleidet) wird die Welt in China klein und man müsste als Disziplinarbeamter einen Freund ans Messer liefern.Dann kann man als Parteimitglied davon ausgehen, dass einem wirklich nichts passieren kann (außer einer degradierung) es sei denn man bringt ein anderes Parteimitglied um oder in der Art?
Ein wortgewandtes und gut vernetztes KPCh-Mitglied hat also gute Chancen, sich der Strafverfolgung entziehen zu können.
Wer also als Opfer von einem Partei-Funktionär gehört werden möchte, muss vor die Medien gehen - denn das führt dazu, dass nicht die lokale Disziplinarkommission zum Zuge kommt, sondern das Beijing eigene Beamte schickt. Vor Gericht findet dann zudem meist ein Schauprozess statt, um die Öffentlichkeit zu beruhigen.
Erst wenn der letzte Baum gefällt, der letzte Fluss gestaut und der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr feststellen, dass man Biber nicht essen kann!
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Re: Wie wird man eigentlich...
Es gibt nicht viele Schweinereien die die KPCh nicht duldet, aber bei sexuellen Ausschweifungen oder sogar Gewalt ist Schluss. Das ist einer der wenigen Bereiche wo die Partei auch bei sich selbst Null Toleranz zeigt. Natürlich aus Kalkül, denn nichts treibt Leute eher auf die Barrikaden und lässt sie nach mittelalterlichen Hinrichtungsmethoden rufen, aber immerhin.
Re: Wie wird man eigentlich...
Sind die Mitglieder denn nur Strafrechtlich geschützt oder auch Zivilrechtlich?
Re: Wie wird man eigentlich...
Da muss ich passen. Es würde aber wenig Sinn machen, wenn sie sich auch zivilrechtlich alles erlauben könnten und ihnen keinerlei Betreibung droht. Somit wäre es ja sogar schwierig, Steuern von ihnen zu holen...Sind die Mitglieder denn nur Strafrechtlich geschützt oder auch Zivilrechtlich?
Erst wenn der letzte Baum gefällt, der letzte Fluss gestaut und der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr feststellen, dass man Biber nicht essen kann!
Re: Wie wird man eigentlich...
Warum gehts jetzt? Natürlich kann ein KP Mitglied ins Gefängnis kommen oder zivilrechtlich verklagt werden. Kommt auch häufig vor, da es ja viele "Karteileichen" gibt. Die Frage ist ob ein Ausschluss aus der KP mit einer strafrechtlichen Verurteilung Hand in Hand geht. Davon gehe ich aus, aber in China dürfte wie immer gelten, es kommt darauf an. Eine KP Mitgliedschaft impliziert mit Sicherheit nicht, dass man über den Gesetz steht. Nur weil die Partei de facto darüber steht, bedeutet es nicht, dass dies auch für die Mitglieder zutrifft.blur hat geschrieben:Sind die Mitglieder denn nur Strafrechtlich geschützt oder auch Zivilrechtlich?
Re: Wie wird man eigentlich...
Genau darum ging es. z.B. eine Person wird von einem Parteimitglied angefahren. Strafrechtlich kann man hier in China vermutlich so oder so nichts machen, aber die Genesungskosten, evtl. auch Schmerzensgeld würde man auch von einem Parteimitglied bzw. dessen Versicherung bekommen. Hier gehen die Opfer dann nicht automatisch leer aus nur weil sie vom falschen angefahren wurden.beowulf hat geschrieben:Warum gehts jetzt? Natürlich kann ein KP Mitglied ins Gefängnis kommen oder zivilrechtlich verklagt werden.
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