"falsche" chinesische Literatur?

Allgemeine Fragen und Erfahrungsaustausch rund um China - Kultur - Geschichte usw.

Wie findet ihr die westlichen Romane über China?

Umfrage endete am 21.03.2006, 16:46

Überwiegend gut.
1
9%
Manchmal gut.
5
45%
Manchmal schlecht.
3
27%
Meistens schlecht.
2
18%
 
Insgesamt abgegebene Stimmen: 11

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domasla
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"falsche" chinesische Literatur?

Beitrag von domasla »

Nein, nicht böswillig gefälscht. Ich denke an Bücher über China. Auch an Romane. Aber von Nicht-Chinesen. Wie gefällt euch das? Welche Schauspieler (Quatsch: Autoren/Helden) findet ihr gut? Was sind die typischen Verständnisfehler? Was sollte man besser nicht kaufen?

Also, ich fang mal an:

Robert van Gulik: Die Richter-Di-Krimis nach alten Vorlagen. War meine Einstiegsdroge ins Thema. Moderne Krimis: von Christopher West, Peter May, Lisa See, Eliot Pattison und Qiu Xianlong (der ist zwar Chinese, lebt aber in U.S.A.). Auch über Richter Di wurde von Eleanor Cooney und Daniel Altieri geschrieben. Denen fehlt aber der Hintergrund.

Mark Salzman: Das lachende Sutra. Interessante Handlung für Insider.

Barry Hughart: Meister Li. Nur drei Geschichten. Eine ähnlich freche Schreibweise habe ich erst wieder bei Terry Pratchett (das ist aber ein anderer Planet) kennen gelernt. Ist nicht immer historisch korrekt. Darüber sehe ich gerne hinweg.

Karl May: Der blaurote Methusalem. Hätte auch bei den Indianern oder Arabern stattfinden können. Nur zur Vollständigkeit.

David Wingrove: Die Chronik des Chung Kuo. Handelt im 22. Jahrhundert. Geht davon aus, dass China während der Han-Zeit Rom und dann die Welt erobert hat. Greift einige "chinesische" Charakterzüge auf. Hat mich gelangweilt. Nur bis Band 4 von 10 gekauft.

Hergé: Tim und Struppi - Der blaue Lotos. Shanghai in den 30ern. Was wird da wohl passieren? - Richtig: Verschwörung, Verbrecher, Korruption usw., usw. ...

Vieles läuft in meiner Sammlung unter "Chinoiserie". Aber deshalb frage ich ja euch, was man so empfehlen kann. Und was eher nicht.

So erst mal genug. Fragen? Kommentare? Schreiben!

Vielleicht möchte jemand etwas über "echte" chinesische Autoren schreiben? Bitte in einem anderen Thread!

Domasla
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ayane
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Beitrag von ayane »

Hmm..wenn ich ehrlich bin, kenne ich aus dem stehgreif nicht sehr viele Bücher von westlichen Autoren über China. Fällt mir nur gerade von Barbara Bickmore "Ein ferner Stern in China" ein. Aber das ist wohl eher von einer Frau für Frauen geschrieben. Kann demnach nicht wirklich darüber abstimmen. Aber allein vom logischen würde ich sagen, das es wenige gute Bücher darüber gibt. Ich meine..es kann sich wohl wirklich nur ein Landsmann so richtig in die Materie des eigenen Landes vertiefen. Ich würde auch nicht über Irland oder was weiß ich schreiben. Generell benutzt man dann ja nur die Orte als Schauplatz einer Geschichte.... Aber ich bin für Büchervorschläge immer offen! :D
Nichts ist im Leben so schlimm, wie es auf den ersten Blick erscheint!!
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domasla
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Beitrag von domasla »

Habe ich schon erzählt, ... das ich während eines Irland-Urlaubs "unser irisches Tagebuch" geschrieben habe. Allerdings nicht veröffentlicht.

Von Frauen für Frauen: Waln, Nora: Süße Frucht, bittre Frucht China, Wolfgang Krüger Verlag, Berlin, 1935, (The House of Exile). Autobiografisch. Für die Zeit spektakulär, für mich langweilig.

Domasla
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Scipio
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Beitrag von Scipio »

Pearl S. Buck hat zumindest in China gelebt, bevor sie Bücher über China geschrieben hat. Der Inhalt der Bücher ist Geschmackssache.


Ihre Romane schildern das Leben der Menschen im Reich der Mitte.

Biographie:
Pearl Sydenstricker Buck, geboren am 26. Juni 1892 in Hillsboro, West-Virginia, entstammte einer amerikanischen Missionarsfamilie und wuchs in China auf, wo ihr Vater als Missionar tätig war. Ihre Studienjahre verbrachte sie in den Vereinigten Staaten, kehrte 1917 nach China zurück und heiratete den amerikanischen Missionar John Lossing Buck. In Nanking hatte sie 1922-32 eine Professur für englische Literatur inne. Damals begann sie mit ihrer Romantrilogie "Die gute Erde" (1931), "Söhne" (1933), "Das geteilte Haus" (1935). Das Werk schildert das Leben einer chinesischen Bauernfamilie und die durch Revolutionswirren und westliche Einflüsse bedingten Veränderungen. Der Roman "Die gute Erde" brachte ihr 1932 den Pulitzer-Preis ein. 1935 heiratete sie in zweiter Ehe den Verleger Richard J. Walsh und zog nach Pennsylvania. Als ihr 1938 der Nobelpreis für Literatur verliehen wurde, waren sich die Kritiker nicht einig über den literarischen Rang ihrer Werke. Doch die Auflagenhöhe und zahlreichen Übersetzungen ihrer Bücher zeugen von ihrer weltweiten Popularität. Zu ihren vielgelesenen Büchern zählen unter anderem "Ostwind- Westwind" (1930), "Land der Hoffnung, Land der Trauer" (1939), "Drachensaat" (1942), "Töchter der Madame Ling" (1969). Pearl S. Buck starb am 6. März 1973 in Danby, Vermont.

MfG, Scipio
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glizza
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Beitrag von glizza »

Gute Frage, auch wenn ich mich nicht direkt auf "gedoubelte" chinesische Autoren beziehen kann. Hoffe, es ist trotzdem OK... :oops:

Ich lese ausgesprochen gerne und wenn die Handlung sich auf eine andere Kultur bezieht, finde ich es schon glaubwürdiger bzw. wirklichkeitsgetreuer, wenn der Autor(in) diesem Kulturkreis entstammt. Eine Fremdsprache möchte ich ja auch von einem(r) Muttersprachler(in) erlernen...Die Mentalität gehört für mich auch dazu...oder?! :roll:

Aber ein Garant für Qualität und Richtigkeit bzw. gute Unterhaltung ist das dennoch nicht aus meiner Erfahrung. Wenn man sich sehr gut mit einer anderen Kultur auskennt, achtet man sicher viel mehr auf mögliche (historische oder was auch immer...) Fehler, die mir wahrscheinlich gar nicht auffallen würden. Ich denke, das kommt aber auch darauf an wie gut ein Autor recherchiert, ob sein Schreibstil fesselt und er sich in die Gegebenheiten/Mentalität einfühlen und diese dem Leser nahebringen kann. Ich habe viele Bücher (Krimi.) von Elisabeth George gelesen, welche in England spielen. Anhand der Bücher würde man denken sie ist Engländerin, sie ist aber Amerikanerin und lebt soweit ich weiß immer noch dort.

Zur Zeit lese ich "Der Jadereiter" von John Burdett. Er lebt seit Jahren in Südostasien und hat jahrelang in Hongkong gearbeitet. Auch wenn er kein Asiate ist, wirken seine Erzählungen authentisch und man wird in die Athmosphäre von Bangkok "eingesogen" Er hat auch Bücher veröffentlicht, die in Hongkong spielen, die ich aber noch nicht gelesen habe. Und wenn man über diesen Weg zu "echter" chinesischer Literatur geführt wird - umso besser!
Ich freue mich immer über entsprechende Anregungen... :D

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Babs
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Beitrag von Babs »

Scipio hat geschrieben:Pearl S. Buck hat zumindest in China gelebt, bevor sie Bücher über China geschrieben hat. Der Inhalt der Bücher ist Geschmackssache.
Pearl S. Buck hat auch ein sehr schönes Buch über 慈禧 Cixi geschrieben "Imperial Woman" (auf Deutsch heißt es wohl "Das Mädchen Orchidee")

Empfehlen - falls mich meine Erinnerung nicht täuscht - kann ich Robert Elegant's „Manchu“, „Dynasty“ und „Mandarin“ oder Malcolm Bosse's "Warlord"

im übrigen bin ich nicht der Meinung, dass nur Chinesen über China schreiben sollten. Westliche Autoren können einem westlichen Leser China viel besser 'erklären' ....
..... die lieben Chinesen werden jetzt allerdings bestimmt die Nase rümpfen ... :lol:

Barbara
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kusti
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Beitrag von kusti »

Die besten Werke über China entstehen zwar durch Chinesen, aus der Sicht der Chinesen, aber mit den Augen des Westens.
Deshalb kommen für sowas nur Chinesen in Frage, welche im Westen leben.
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LeChef
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Beitrag von LeChef »

hm, scipio hat mir mal wieder was vorweggenommen.

also von pearl buck habe ich ostwind westwind gelesen und fand es sehr gut. es schildert sehr gut und sehr glaubwürdig das dilemma, in dem sich die frauen vom ende der qing-zeit befunden haben. wie zwei völlig unterschiedliche kulturen aufeinanderprallen und was sich da so alles tut. ist ein sehr kurzes und superspannendes buch. also, empfehlenswert.

ansonsten lese ich momentan so wenig romane, sondern mehr sachbücher.
sehr empfehlen kann ich von jonathan spence "tian an men" das tor des himmlischen friedens. sehr interessant und teilweise sogar fesselnd. es stellt sozusagen eine biographie von ganz vielen chinesischen intellektuellen der jahre 1895 bis 1985 dar. angefangen mit kang youwei und liang qichao über lu xun und xu zhimo zu ding ling.

ich denke jeder kann über etwas schreiben, wenn er sich damit etwas auseinandersetzt. ich muss nicht schwarz sein um über martin luther king zu schreiben. vielen autoren mangelt es halt einfach daran, dass sie sich genügend mit der materie auseinandersezen. ich denke westliche schreiber können uns westlern china verständlicher eröffnen, als es ein chinese könnte.
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Gast

Beitrag von Gast »

Ups! Ja, "Frauen-Bücher". Die hab' ich auch. Manche sind sogar interessant.

Bei non-fiction-Autoren sollte man den persönlichen und politischen Hintergrund kennen oder sich auf Überraschungen gefasst machen. Manchmal gerät es sehr einseitig. Wenn wir schon mal dabei sind, ein paar Beispiele:

Colin Ross: Das neue Asien, Leipzig, 1940, mit Huldigung an eine gewisse Person (Einem ehemaligen Anstreicher, der dadurch bestraft werden soll, dass sein Name hier nicht genannt wird). Stellt die Ansprüche Japans in den Vordergrund. Das Hauptthema in China sind die üblichen Protagonisten der GMD.
Pearl S. Buck: China - Past and Present, New York, 1972, mit etwas enttäuschtem Unterton, weil man sie nicht mehr ins Land lässt (Man beachte die Jahreszahl!), aber voller Verständnis für die Situation. Mit ihrer Beurteilung der Veränderungen.
Sterling Seagrave: Die Soong-Dynastie - Eine Familie beherrscht China. Recherchierte Zeitgeschichte, Die Entstehung der Republik China und was folgte. Im Zentrum die "drei Schwestern". Relativ neutral, aber in Taiwan nicht gerne gesehen?
Han Suyin: Eldest Son - Zhou Enlai and the Making of Modern China. Gleiche Zeit, anderer Schwerpunkt. Biografie, die den weitsichtigen Hausmeister im Schatten Maos (wie meistens) in einem positiven Licht erscheinen lässt.

Domasla
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yinyang9000
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Beitrag von yinyang9000 »

Ich kenne nur zwei Bücher von der Uni:

Der Tote in der Ming-Vase
von Jakob Anderhandt

Ganz schön spannend... :D

Der Stein des Himmels
von Barry Hughart

Noch mehr spannend... :D :D
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domasla
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Beitrag von domasla »

@yinyang9000: Ya, (ich meine natürlich: Ja!) es gibt wenige Bücher, die noch besser als Meister Li sind. Sehr chinesisch, oder?

Domasla
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yinyang9000
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Beitrag von yinyang9000 »

Mir hat es gefallen domasla, aber ich habe lange gebraucht um es zu lesen...aber gut... :D
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Beitrag von domasla »

Es sind drei Romane. Erzählt von dem starken Bauernsohn Ochse Nummer Zehn, der auf seinen Schultern den alten Meister Li von Abenteuer zu Abenteuer trägt. Eines davon ist "der Stein des Himmels". Dann gibt es noch "die Brücke der Vögel" und "die Insel der Mandarine". Für die richtige Reihenfolge bräuchte ich jetzt mein Regal. Die Bücher waren lange Zeit nicht mehr lieferbar.

Meister Li ist meistens sehr frech. Deshalb hat er so lange überlebt.

Domasla
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Beitrag von LeChef »

hat irgendwer "die drei reiche" von luo guanzhong gelesen?

welche übersetzung sollte ich lesen? bei wikipedia gabs folgende:
C. H. Brewitt-Taylor: Romance of the Three Kingdoms. Ältere Übersetzung (1920er-Jahre) einer gekürzten Fassung.
Moss Roberts: Three kingdoms, A historical novel (Berkeley etc., University of California Press 1991). Neuere, vollständige englische Übersetzung.
Franz Kuhn: Die drei Reiche. Roman aus dem alten China (Frankfurt am Main, Insel-Verlag 1981). Ältere deutsche Übersetzung in Auszügen (radikal gekürzt).

ich hatte gehört, dass franz kuhn ganz gut schreiben soll, aber wenn das so radikal gekürzt ist...
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Beitrag von domasla »

Schon wieder "echte" chinesische Bücher...

Ich habe "Romance of three Kingdoms" von Moss Roberts (1991). Ist wirklich vollständig: In englischer Sprache belegt alleine der Text 1400 Seiten in drei Bänden. Dazu Vorwort, 140 Seiten Endnoten, 100 Seiten mit Bildern von den Hauptcharakteren. Es gibt viele Orte und Namen (typisch chinesisch?). Man wünscht sich eine "Wanderkarte", um den Weg von Liu Bei zu verfolgen. Die Fernsehserie habe ich auf 58 VCDs. Lustig, wie häufig und ergriffen Generäle weinen können.

Ein Epos. Hochdramatisch. Besonders als Zhang Fei auf einer Brücke die 1.000.000 (wahrscheinlich nur 700.000) Soldaten des Cao Cao ganz alleine zur Umkehr zwingt. Oder wenn Guan Yu (der spätere Gott des Krieges) bei der gehassten Konkurrenz seine Schulden zahlt.

ASIAPAC hat das Buch auszugsweise als Comicserie herausgebracht.

Dass es das auch eine deutsche Übersetzung gibt wusste ich nicht. If you can red this and want to read much more: buy the complete edition!

Domasla
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