Zitat:
Vielleicht sagt dir auch der BigMac-Index was, ein anschauliches Beispiel.
Ich halte dies auch für ein anschauliches Beispiel - für genau die Tatsache, dass die Qualität unterschiedlich ist.
Hier 'mal ein Vergleich zwischen einem Big Mac in China und in der Schweiz (weil ich da die Gesetzeslage einigermassen kenne und noch nie anderswo in einem Mac war - bin kein Fan von dem Laden):
Zunächst einmal ist offensichtlich, dass ein McDonalds in der Schweiz (und in den meisten europäischen Ländern) schon einmal besser gebaut und eingerichtet ist als in China. Nicht nur die Qualität des Baus und das Raumklima inklusive Belüftungs- und Beleuchtungskonzept sind auf einem andern Niveau, sondern auch die Abstände zwischen den Tischen sind grösser, die Sanitärinfrastruktur besser und die Isolation stärker, weswegen die Luft weniger Trocken ist.
Gerade beim Fleisch sind qualitative Unterschiede klar ersichtlich - einerseits bezüglich des Fettgehalts und des Geschmacks, andererseits auch bezüglich der Tierhaltung und des Tierschutzes. Aber auch bei anderen Zutaten gibt es unterschiede, da die Gesundheitskontrollen in China weniger strikt sind: so hat CNN aufgedeckt, dass McDonalds in den USA und in China starke, gesundheitsschädliche Chemikalien verwendet - manche davon Krebserregend, andere führen einfach nur zu Magenproblemen.
Auf die Unterschiede bei der Behandlung des Personals werde ich wohl auch nicht weiters eingehen müssen...
Ein weiterer, wichtiger Faktor ist natürlich, dass gerade in Westeuropa eher auf qualitativ hochwertigere Nahrung geachtet wird und es nicht gerade prestige-trächtig ist, in ein McDonalds-Restaurant zu gehen - daher sieht sich McDonalds hier auch nicht einem solchen Konkurrenzdruck gegenüber wie beispielsweise in den USA. Dafür ist luxuriöses Essen in Europa massiv günstiger als in China.
Daher halte ich gerade den BigMac-Index nicht gerade für aussagekräftig. Wennschon dann würde ich einen Laptop-Index oder einen Auto-Index oder einen Gold-Index in Betracht ziehen, der jeweils die exakt gleichen Produkte vergleicht.
Man darf aber nie vergessen, fürwas man eine Aussage sucht! Genau das passiert aber vielen alt-ökonomen heute noch. Inzwischen gibt es immer mehr behavioristische Theorien, die das Verhalten der Individuen untersuchen und aggregieren - denn dies interessiert am Ende auch. Wir suchen hier ja eine Aussage dazu, wieviel ein Chinese verdienen müsste, um denselben Nutzen eines Deutschen zu haben.
Hier stehen wir aber vor einem Problem: wir wissen nicht, wie hoch der durch die unterschiedlichen Produkte entgangene Nutzen eines Deutschen in China und umgekehrt ist, denn Nutzen lässt sich nicht so einfach quantifizieren. Und da wären wir wieder bei der Frage, was man braucht, um glücklich zu sein...
In der Wirtschaftswelt interessiert ja ohnehin nur die Tendenz einer Währung, ob sie steigen oder fallen wird - und das lässt sich nicht so ohne weiteres anhand eines Vergleichs von Kaufkraftparitäten beurteilen, denn:
1.kommt es auf die Zahlungsbilanz eines Landes an, wie sich seine Wàhrung entwickelt und
2. ist der Wahrenhandel derzeit für nur 3 Prozent des Devisenhandels verantwortlich, während an den Finanzmärkten der Rest gehandelt wird. Ich würde jetzt auf jedefall nicht die schwedische Krone gegenüber dem Schweizerfranken shorten, nur weil dort der BigMac noch teurer ist...
Aus all diesen Gründen sehe ich die Legitimation der Kaufkraftparitäten im 21. Jahrhundert nicht mehr - allenfalls für Vergleiche innerhalb der EU, aber sicher nicht für Vergleiche zwischen fernen Entwicklungsländern und Industrieländern.
Nur für eine Sache werden die PPP heute noch oft verwendet, und da ist es auch sinnvoll: bei der Beurteilung, ob jemand absolut arm ist (also sich nicht mehr ernähren kann). Denn die Menge an Geld, die man zum Überleben braucht, festzustellen, ist durchaus objektiv möglich und (leider auch heute noch) sinnvoll. Bei internationalen Vergleichen zu politischen Zwecken müsste man international gehandelte Güter untersuchen.