corneta hat geschrieben:
wuseltiger hat geschrieben:
Welche Verallgemeinerungen denn?
Dein Diagramm ist ein gutes Beispiel. So wie Shanghai nicht repräsentativ für China ist, so ist Berlin nicht repräsentativ für Deutschland.
Das Diagramm ist auch ein gutes Beispiel für Leichtgläubigkeit und Fälschungen. Natürlich hat wuseltiger die Validität der Daten, die er gerne glauben möchte, keine Sekunde in Zweifel gezogen. Als Quelle steht in Wikipedia, wo das Diagramm herkommt, "Spiegel_42_09". Ersteller des Diagramms ist aber nicht der Spiegel, sondern ein User "Heierlon". Es gibt insgesamt 6 Versionen des Diagramms seit März 2009, in denen sich die Gruppe der Deutschen manchmal bis auf 100,2% summiert, die der Türken auf 103,6% und die der Vietnamesen auf 103%. In späteren Versionen wird das in mehreren Anläufen "passend gemacht".
Ich lese den Spiegel nicht, so wenig wie die Bildzeitung. Aber ich habe mich nach der Quelle "DIW 2008" umgesehen und bin fündig geworden. Die DIW-Untersuchung heisst "Migranten in Berlin: Schlechte Jobchancen, geringe Einkommen, hohe Transferabhängigkeit", Autor ist Karl Brenke, der ein Studium der Soziologie, Volkswirtschaft und Statistik an der FU abgeschlossen hat, mehrere Jahre an der Sozialökonomik-Forschungsstelle der FU tätig war und seit 1985 wissenschaftlicher Referent des DIW für Sozialstatistik ist. Sie stützt sich im Wesentlichen auf Zahlen von 2005 und wurde im DIW-Wochenbericht 35/2008, S.496-507 vom 27.8.2008 veröffentlicht.
Die Daten, die Grundlage der dubiosen Kuchendiagramme wurden, finden sich auf S. 504 des DIW-Wochenberichts Nr. 35/2008 . Da fallen gleich zwei grobe Fälschungen bzw. Manipulationen in der Kuchengraphik ins Auge:
Es sind nämlich erstens mitnichten die Berufsabschlüsse der Migranten gelistet, sondern die Migranten und Vergleichsgruppen nach Berufsabschlüssen. Das bedeutet, dass in diese Rechnung alle in Berlin lebenden Türken einfliessen, also die Hausfrauen wie die in den sechziger Jahren nach Deutschland geholten Arbeiter. Akademiker hat man damals nicht geholt. Daher wird der Bildungs- und Berufsbildungswille der derzeit heranwachsenden Generation damit krass unterzeichnet, jedenfalls, wenn man die Zahlen aus ihrem Zusammenhang reisst. Derzeit studieren ca. 10% der heranwachsenden türkischen Jahrgänge, insofern ist die Angabe von 3,1% mit Hochschul- und Fachhochschulabschluss eine bösartige Manipulation.
Der "Anteil der Vietnamesen" findet sich in dem DIW-Artikel gar nicht. Dort finden sich als Vergleichsgruppen nur Türken mit 75,3/21,6/3,1 in den Gruppen kein Abschluss/Lehre, Fachschule, ähnliches/Hoch-oder Fachhochschule, "EU-25" und "Länder ausserhalb Europas", mit 30/46/23,6 und 47,4/26,3/26,3 sowie Deutsche mit Migrationserfahrung mit 33,6/45,5/20,9 sowie ohne Migrationserfahrung mit 40/40/20.
Der Autor der Graphik in Wikipedia hat also die Zahlen der Deutschen gefälscht und die der Vietnamesen von irgendwoher geholt oder erfunden. Von "DIW 2008" sind sie jedenfalls nicht. Sie müssen nicht einmal völlig abwegig sein, da die Vietnamesen in D aus 2 Gruppen bestehen, nämlich Flüchtlingen nach der US-Niederlage, also sehr viele Angehörige der Besitz- und Bildungsschichten, sowie DDR-Vertragsarbeiter, und die hatten in der grossen Mehrheit mindestens einen Facharbeiterbrief, sonst wären sie gar nicht genommen worden.
So sarrazint es auch in der Hetzgraphik: Falsche und manipulierte Zahlen, Lügen über die Quellen. Und die Romeos und Wuseltiger glauben unkritisch, was ihren Vorurteilen entgegenkommt.
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