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 Betreff des Beitrags: Chinesische Mythen und Sagen
BeitragVerfasst: 29.08.2010, 14:30 
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Hallo Forengemeinde!

Zur Zeit lese ich mich durch Lu Xun's "Morgenblueten abends gepflueckt". Dabei stosse ich immer wieder auf sehr interessante nationale aber auch lokale Sagen und Mythen aus dem chin. "Mittelalter" und Neuzeit.

Eine Suche nach einem Buch, das solche Werke in Kurzgeschichtenform sammelt habe ich leider nicht gefunden.

Meine Idee: Ich moechte hier in diesem Thread keine Buchtipps sammeln (dafuer haben wir ein extra Thread) sondern ich wuerde ganz gerne, dass alle die solche Geschichten kennen, diese hier entweder niederschreiben oder zu entsprechenden Seiten verlinken.

Vielleicht etwas fuer Grufti und Babs, die fuer solche Threads immer sehr viel Blut und Schweiss investieren.

Ich kenne auch eine Reihe an lokalen Sagen und Mythen, die ich demnaechst hier niederschreiben werde.

Also ich hoffe auf gute und interessante Stories (diese muessen auch nicht allzu lang verfasst werden).

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 Betreff des Beitrags: Re: Chinesische Mythen und Sagen
BeitragVerfasst: 30.08.2010, 10:14 
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Also ich hab zuhause so ein kleines weißes Büchlein mit alten chinesischen Kurzgeschichten/-märchen, die alle nur so 3 Seiten lang sind. Sind sogar auf deutsch.... den Namen weiß ich leider nicht.

Da ich allerdings gestern zufällig im Internet eine Dokumentation vom Discovery Channel gesehen habe, hier etwas ganz kurzes über das untergegangene Volk der "Bo" (die wirklich existierten) und ihre hängenden Särge:

Wikipedialink mit vielen Unterlinks

In der Sendung berichteten sie von der Legende, daß bei der Belagerung der letzten Bo durch die Han-Soldaten vor etwa 400 Jahren auf einem Berggipfel in einer Bergfestung die letzten tausend Bo ein Fest feierten und sehr betrunken wurden. Daraufhin griffen von allen Seiten die Han-Soldaten an und töteten alle Bo in einem blutigen Massaker. Als alle Bo tot waren, jubelten die Han-Soldaten und sagten "Kein Bo lebt mehr, jetzt haben wir endgültig gesiegt". Doch da stand der Kommandant der Bo auf seinem Kommandostand lebend auf. Die Soldaten sagten "Wir müssen ihn töten, vorher haben wir nicht vollständig gesiegt". Doch der Bo-Kommandant nahm 2 weitere Bo unter die Arme und erhob sich in die Luft und flog davon.

So wurde es in diesem Bericht erzählt, ob das der genaue Wortlaut ist kann ich natürlich nicht bestätigen.

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 Betreff des Beitrags: Re: Chinesische Mythen und Sagen
BeitragVerfasst: 30.08.2010, 10:21 
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sanctus hat geschrieben:
Also ich hoffe auf gute und interessante Stories (diese muessen auch nicht allzu lang verfasst werden).
Neun Drachenkinder.
To cut a long story short
:wink:

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 Betreff des Beitrags: Re: Chinesische Mythen und Sagen
BeitragVerfasst: 30.08.2010, 11:42 
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sanctus hat geschrieben:
Vielleicht etwas fuer Grufti und Babs, die fuer solche Threads immer sehr viel Blut und Schweiss investieren.


Blut und Schweiß haben diesmal schon andere investiert: Mythologie und Ritus im Alten China :wink:

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 Betreff des Beitrags: Re: Chinesische Mythen und Sagen
BeitragVerfasst: 30.08.2010, 14:21 
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So, hier nun eine lokale Sage aus Taizhou/ Zhejiang:

Die versteinerte Frau von Wenling

Vor langer Zeit lebten nahe des Staedtchens Wenling, ein frisch verheiratetes Paar. Der Ehemann musste jeden Tag abseits der Stadt auf den Feldern arbeiten und so seine Ehefrau von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang allein lassen. Sein Weg fuehrte ueber einen kleinen Berg, der wie es hiess von einem Berggeist bewohnt wurde und keine Menschen duldete. Alle mieden somit den Berg, nur der Ehemann erklomm taeglich den Berg, um so schneller auf dem Feld zu sein und um abends schnell wieder zu seiner Ehefrau heimkehren zu koennen. Dem Berggeist miesfiel diese taegliche Stoerung in seinem Reich und er mahnte den Ehemann eines morgens an, seinen Berg niemals mehr zu betreten, andernfalls wuerde er ihn auf ewig versteinern. Der Berggeist hatte schon des oefteren versucht, den Ehemann zu versteinern. Dieser war jedoch immer zu zuegig ueber den Berg gewandert und die Macht des Berggeistes reichte nicht ueber den Berg hinaus. Aus diesem Grund musste der Ehemann auf dem Rueckweg einen Umweg machen und er wuerde erst nach Sonnenuntergang zu Hause eintreffen. Die Ehefrau wurde kurz nach Sonnenuntergang ziemlich unruhig, da ihr Mann nie nach Sonnenuntergang Heim kehrte. Voller Sorge, machte sie sich auf den Weg um ihren Mann entgegen zu kommen. Auf dem Berg angekommen hatte sie einen guten Ueberblick ueber das Umland und sie beschloss oben auf dem Berg zu warten, da sie ihren Mann von da aus viel eher mit seiner roten Laterne sehen koennte. Der Berggeist bemerkte sofort die schoene Ehefrau und nahm sogleich die Gestalt eines huebschen Juenglings an. Er stellte sich als reicher Grundbesitzer aus der Stadt vor ludt sie zu sich ein. Die Ehefrau lehnte dankend ab und erzaehlte der Gestalt, dass sie hier auf ihren Ehemann warte, der hier jeden Tag den Berg ueberquerte. Der Berggeist wusste nun, dass es sich hier um die Ehefrau des Mannes handelte, der sein Reich hier jeden Tag stoerte. Er verfluchte die huebsche Ehefrau: Sie solle solange zu einen Felsen erstarren, bis ihr Ehemann sie an diesem Ort finden sollte. Der Ehemann kam unterdessen zu Hause an und fand sein Ehefrau nicht vor. Sofort kamen ihm die Gedanken wieder hoch, dass sie ihn verlassen habe. Denn immerhin war er oft fort und sie war sehr huebsch und somit in der Stadt bei den Maenner und Heiratsvermittlern sehr begehrt. Er suchte noch viele Tage nach ihr. Den Berg ueberquerte er dabei nur einmal kurz, aber er erkannte in dem Felsen einfach nicht seine Ehefrau und der Berggeist erfreute sich an dem Leid des Ehemannes. Danach verfiel der Ehemann in Arbeitswut. Er arbeitete mehrere Tage durch, bis er schliesslich an Erschoepfung und Kummer auf dem Feld verstarb. Nach dem Tod des Ehemannes und dem Erblicken des Felsens wurde den Stadtbewohnern klar, was passiert war. Der Berggeist wurde nun von Daoisten vertrieben aber der Ehefrau konnte man nicht helfen. Ihr Schicksal, war mit dem Tod ihres Ehemannes besiegelt worden.

Bis heute ist der Felsen ein Symbol fuer die Treue der Frau und das Warten der Ehefrauen auf ihre von der Arbeit heimkehrenden Ehemaenner.

In der Region gibt es auch eine spezielle Form, der Laterne des Ehemannes fuer die Kinder zu kaufen. Der Sage nach, koennte man den Geist des Ehemannes so zu dem Felsen fuehren und den Fluch vielleicht doch noch aufheben.


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Der Berg, der versteinerten Frau bei Wenling.

Habe die Sage etwas gekuerzt und mit eigenen Worten niedergeschrieben, da es sie so in Deutsch/ Englisch noch gar nicht gab.

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 Betreff des Beitrags: Re: Chinesische Mythen und Sagen
BeitragVerfasst: 09.09.2010, 04:46 
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Die Schlangenschoenheit aus dem Hundert-Pflanzen-Garten Shaoxings

Es war einmal ein Gelehrter, der wohnte in einem alten Tempel, um dort zu studieren. Eines Abends, als er sich in der Kuehle des Innenhofs erging, hoerte er jemanden seinen Namen rufen. Den Zuruf erwidernd, blickte er um sich und gewahrte ueber der Mauer den Kopf einer wunderschoenen Frau. Sie laechelte ihm zu und verschwand wieder. Er fuehlte sich sehr gluecklich, bis ein alter Moench, der abends zu ihm kam, um sich mit ihm zu unterhalten, entdeckte, was geschehen war. Er bemerkte im Gesichstausdruck des Gelehrten einen boesen Einfluss und erklaerte ihm, dass er die "Schlangenschoenheit" gesehen haben muesse - ein Ungeheuer mit einem menschlichen Kopf und dem Koerper einer Schlange, das die Menschen bei ihrem Namen rufen koenne. Wer antworte, den suche die Schlange noch in derselben Nacht auf, um ihn zu verschlingen.
Darueber war der Gelehrte natuerlich zu Tode erschrocken. Aber der alte Moench sagte ihm, er brauche sich keine Sorgen zu machen, und gab ihm ein kleines Kaestchen; das solle er nur neben sein Kopfkissen stellen, dann koenne er beruhigt einschlafen.Obwohl der Gelehrte tat, wie ihm geheissen worden war, konnte er keinen Schlaf finden - was nicht weiter verwunderlich ist. Und tatsaechlich hob um Mitternacht vor seiner Tuer ein Zischen und Rascheln an, das sich anhoerte wie Wind und Regen - das Untier kam! Waehrend der Gelehrte noch vor Angst zitterte und bebte, da - ssssch - blitzte auch schon ein goldener Strahl neben seinem Kopfkissen auf. Im selben Augenblick wurde es vor der Tuer totenstill, und der goldene Strahl kehrte in sein Kaestchen zurueck. Und was geschah danach? Danach erklaerte ihm der alte Moench, dass der goldene Strahl ein fliegender Tausendfuessler sei, der einer Schlange das Gehirn aussaugen koenne. Und eben auf diese Weise sei die Schlangenschoenheit getoetet worden.
Und die Moral von der Geschichte? Wenn eine fremde Stimme deinen Namen ruft, darfst du aufkeinen Fall antworten.

aus Lu Xuns "Morgenblueten abends gepflueckt"

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 Betreff des Beitrags: Re: Chinesische Mythen und Sagen
BeitragVerfasst: 01.02.2011, 16:18 
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In Qiu Jin's Gedichten habe ich in den letzten Wochen viele Hinweise auf Mythen und Sagen gefunden, wie z.B.:

Die Geschichte der Schöpfergöttin Nüwa, die die Menschen erschaffen und den Himmel geflickt hat. Beim Streit zwischen zwei Göttern brach einer der vier Stützpfeiler des Himmels. Der halbe Himmel fiel in sich zusammen und die Erde brach auf, worauf große Naturkatastrophen folgten. Nüwa schnitt die Beine einer Riesenschildkröte ab und benutzte sie, um den Pfeiler zu ersetzen und sie schmolz Steine von fünf verschiedenen Farben zusammen und kittete mit dieser Mischung den Himmel. Leider gelang ihr die Aufgabe nicht ganz. Der Himmel neigte sich immer noch etwas, weshalb sich Sonne, Mond und Sterne bis heute nach Nordwesten bewegen, während China's Flüsse nach Südosten fließen.

Zu dieser Geschichte gibt es auch ein Chengyu 女娲补天 Nüwa repariert den Himmel


Die Geschichte des Guqin Spielers Bo Ya 伯牙 und des einfachen Holzfällers Zhong Ziqi 钟子期. Der eine war ein guter Spieler, der andere ein guter Zuhörer. Wenn Bo Ya sich in seinem Spiel hohe Berge vorstellte, sagte Zhong Ziqi: "aufragend wie Berg Tai" und wenn Bo Ya mit seinem Spiel fließendes Wasser darstellen wollte, sagte Zhong Ziqi: "wie unermesslich groß Flüsse und Meere doch sind". Egal, was Bo Ya spielte, Zhong Ziqi verstand ihn immer. Bo Ya war tief beeindruckt und sagte: "unsere Herzen sind gleich". Als Zhong Ziqi starb, zerriss Bo Ya die Saiten seiner Guqin und schwor, nie wieder zu spielen.

Die Geschichte von Bo Ya und Zhong Ziqi symbolisiert das Ideal von Freundschaft. Das Wort 知音 (eigentlich Töne erkennen) stammt daher und bedeutet enger Freund.


Die Geschichte von Lao Laizi 老莱子, der zum Vorbild für Respekt und Gehorsam den Eltern gegenüber wurde. Er kümmerte sich ein Leben lang vorbildlich um seine Eltern. Als er selbst schon siebzig war, hörte er sie eines Tages sagen: "wie alt unser Sohn doch geworden ist, wir werden sicher bald sterben". Als er das hörte, erschrak er sehr und beschloss, seine Eltern aufzuheitern. Er verkleidete sich als kleines Kind oder eine lustige Figur aus der chinesischen Oper und führte ihnen kindliche Spiele und Späße vor. Seine Eltern waren so entzückt von den Vorführungen ihres Sohnes, dass sie gar nicht mehr auf düstere Gedanken kamen.


Die Geschichte von Lin Hejing (Lin Pu) 林逋, der aus einer reichen Familie stammte, sich aber auf den Gu Shan (Berg der Einsamkeit) bei Hangzhou zurückzog und da Pflaumenbäume pflanzte und Kraniche fütterte. Weil er niemals heiratete, wurde die Legende über ihn verbreitet, er sei mit einer Pflaumenblüte verheiratet und Kraniche seien seine Kinder.


Die Geschichte von Zhao Shixiong 赵师雄, der auf dem Luofu Berg mit einer wunderschönen Frau zusammen Wein trank und betrunken einschlief. Als er aufwachte, lag er unter einem blühenden Pflaumenbaum. (Auf Englisch habe ich nur eine Fußnote über ihn im Buch "Personal matters: women's autobiographical practice in twentieth-century China" von Lingzhen Wang gefunden).


Die Geschichte von Luo Shen 洛神, die durch das Gedicht 洛神赋 etwa "Ode an die Göttin des Luo Flusses" von Cao Zhi 曹植 berühmt wurde. Luo Shen hieß Mi Fei 宓妃 und war die Tochter des legendären Kaisers Fu Xi 伏羲氏. Sie ertrank im Luo Fluss und wurde zu einer Göttin. Bemerkenswert an ihrer Geschichte ist die Art und Weise, wie Cao Zhi sie beschreibt, nämlich als ein Wesen von übernatürlicher Schönheit und Anmut, das unzählige Künstler inspirierte.

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 Betreff des Beitrags: Re: Chinesische Mythen und Sagen
BeitragVerfasst: 03.02.2011, 20:43 
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Eine der wichtigsten Geschichten aus der chineischen Mythologie ist bestimmt die des Qixi Festes, nämlich die Geschichte vom Kuhhirten und der Weberin 牛郎与织女的故事. Eine Fee verliebte sich in den Kuhhirten. Sie kam auf die Erde runter, heiratete ihn und sie bekamen zwei Kinder. Während er das Feld bestellte und die Kühe hütete, verbrachte sie ihre Zeit mit Weben. Sie waren so glücklich, dass sie damit den Zorn des Himmelskaisers erregte, der die Himmelskaiserin auf die Erde schickte, um die beiden zu trennen und die Fee in den Himmel zurückzuholen. Der Kuhhirte liebte seine Frau aber so sehr, dass er ihr folgte, worauf die Himmelskaiserin mit einer goldenen Haarnadel einen Himmelsfluss zwischen die beiden zog. Da standen sie sich nun weinend gegenüber, einer auf der einen und der andere auf der anderen Seite des Flusses. Als die Elstern dies sahen, hatten sie Mitleid mit den beiden und bildeten eine Brücke über den Fluss, so dass sich die beiden treffen konnten. Die Himmelskaiserin war gerührt und erlaubte ihnen fortan, sich einmal im Jahr am siebten Tag des siebten Monats (Mondkalender) zu treffen.


Die Geschichte von Wang Huizhi 王徽之, Sohn des großen Kalligraphen Wang Xizhi 王羲之, der in einer schneereichen Nacht beschloss, mit dem Boot seinen Freund Dai Kui 戴逵 zu besuchen, der als Zurückgezogener in Shanxi lebte. Doch als er bei dessen Tor ankam, drehte er um und fuhr wieder zurück, ohne den Freund gesehen zu haben. Als er gefragt wurde, warum er das gemacht habe, antwortete er, er habe die Hin- und Rückreise so genossen, dass er Dai Kui deshalb nicht mehr habe sehen müssen ‘吾本乘兴而行,兴尽而返,何必见戴?’”
Visiting Dai on a Snowy Night


Die Geschichte von Nong Yu 弄玉 und Xiao Shi 萧史. Xiao Shi konnte sehr gut Flöte spielen, vor allem konnte er mit der Flöte das Singen eines Phönix‘ nachahmen. Nong Yu war die Tochter des Herzogs Mu von Qin 秦穆公. Sie verliebte sich in Xiao Shi, die beiden heirateten und Xiao Shi brachte ihr seine Kunst bei. Nach einigen Jahren gelang es ihnen, mit ihrem Flötenspiel Phönixe anzulocken. Am Ende ritten Nong Yu auf einem Phönix und Xiao Shi auf einem Drachen in die Unsterblichkeit hinein.


Die Geschichte von Pei Hang 裴航, einem Gelehrten der Tang Dynastie, der eine Reise in die Hubei Provinz unternahm und bei seiner Heimreise auf dem Schiff eine wunderschöne Frau namens Fan 樊 traf, die auf seinen Gruß mit einem Gedicht antwortete: „Ich trinke den Nektar und Gefühle steigen in mir auf. Wenn der Zaubertrank fertig gemörsert ist, siehst du Yun Ying 云英. Göttliche Wesen leben bei der Lan Brücke 兰桥, wo auch ich lebe, warum machst du dir die Mühe, in die Hauptstadt zu reisen?“ Etwas später kam Pei Hang an der Lan Brücke vorbei und bat eine alte Frau um etwas Wasser. Er hörte, wie die Frau nach ihrer Tochter Yun Ying rief, worauf Pei Hang sich wieder an das Gedicht erinnerte und die alte Frau um die Hand ihrer Tochter bat. Die alte Frau beauftragte ihn, ihr einen Jademörser zu bringen, in dem die Zutaten für Nektar zusammengemischt werden können und einhundert Tage lang mit dem Mörser zu arbeiten. Pei Hang gehorchte und durfte Yun Ying schließlich heiraten. Beide lebten glücklich und zufrieden bis an ihr Lebensende und wenn sie nicht gestorben sind …
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 Betreff des Beitrags: Re: Chinesische Mythen und Sagen
BeitragVerfasst: 13.02.2011, 10:46 
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Eine berühmte Geschichte ist auch die von Xi Shi 西施, einer der vier Schönheiten* des alten China. Sie soll so schön gewesen sein, dass wenn sie sich über ein Geländer lehnte, um die Fische im Teich zu beobachten, die Fische von ihrer Schönheit geblendet auf den Boden des Teichs sanken. Sie soll die Tochter eines Teehändlers gewesen sein und zur Zeit der Frühlings- und Herbstperiode im Königreich Yue gelebt haben.

Das Königreich Yue wurde vom Königreich Wu besiegt und König Gou Jian von Yue 越王勾踐 wurde von König Fu Chai von Wu 吳王夫差 drei Jahre lang gefangengenommen. Nach seiner Freilassung ließ Gou Jian nach dem schönsten Mädchen in seinem Reich suchen, um es Fu Chai als Tribut zu schenken, mit dem Hintergedanken, dass ihm das schöne Mädchen dabei behilflich sein sollte, das Königreich Yue zu stürzen.

Xi Shi wurde gefunden und sie war damit einverstanden, ihr Leben für ihr Königreich zu opfern. In Begleitung von Minister Fan Li machte sie sich auf die Reise zu König Fu Chai. Auf der Reise verliebten sich Xi Shi und Fan Li ineinander, was aber nichts an ihrem Auftrag änderte. König Fu Chai war beglückt über das Geschenk und Xi Shi verstand es, ihn so sehr für sich zu gewinnen, dass er die Regierungsgeschäfte immer mehr vernachläßigte. Schließlich war das Land derart geschwächt, dass es leicht von außen angegriffen werden konnte. König Gou Jjan hatte sein Ziel erreicht. Er nahm das Königreich Wu ein und konnte sich so für die erlittene Demütigung rächen.

Eine Legende sagt, dass Xi Shi schließlich in den Westsee bei Hangzhou verwandelt worden sei, eine andere, dass sie und Fan Li gemeinsam auf ein Boot gestiegen und weggefahren seien. Wieder eine andere Legende sagt, Xi Shi sei in einem Fluss ertrunken.

* die anderen drei sind: Wang Zhaojun 王昭君, die so schön gewesen sein soll, dass die Vögel vor Entzücken vom Himmel fielen, Diaochan 貂蝉, deren Schönheit selbst den Mond verlegen machte, so dass er sein Gesicht abwandte, wenn er ihres erblickte und Yang Guifei 杨贵妃, deren Schönheit alle Blumen beschämte.

Die beiden Sprichwörter 沉鱼落雁 chen2 yu2 luo4 yan4 (Fische sinken, Wildgänse fallen) und 闭月羞花 bi4 yue4 xiu1 hua1 (der Mond wegschließen, die Blumen beschämen) beschreiben beide weibliche Schönheit.



Die Geschichte von Ma Gu 麻姑, einer Unsterblichen aus dem Daoismus, die als junges Mädchen von 18 oder 19 Jahren beschrieben wird mit klauenartigen Fingernägeln und übersinnlichen Fähigkeiten. So konnte sie Reis in Perlen verwandeln und kannte das Geheimnis des Lebenselixiers. Sie gilt als Symbol für langes Leben, weil sie nie älter als 18 oder 19 wird, aber schon dreimal miterlebte, wie sich das Ostchinesische Meer in ein Maulbeerfeld verwandelte (ein Prozess, der laut Überlieferung Abermillionen von Jahren dauert).

In der Biographie der Unsterblichen Shenxian Zhuan 神仙传 von Ge Hong 葛洪 wird in der Hagiographie von Wang Yuan《王远传》beschrieben, wie Ma Gu eines Tages ins Haus von Cai Jing 蔡经 eingeladen wurde und wie der ihre klauenartigen Fingernägel sah und für sich dachte, wie gut wäre es doch, wenn sie mir mit ihren Nägeln meinen juckenden Rücken kratzen könnte. Dieser Gedanke wurde je nach Version entweder von Wang Yuan oder Ma Gu gelesen und Cai Jing wurde dafür von unsichtbarer Hand ausgepeitscht.



Und dann gibt’s da noch die Geschichte von Xiwangmu 西王母, der Königinmutter des Westens, einer der ältesten Gottheiten der chinesischen Myhologie. Sie lebt auf dem Kunlun Berg, dem legendären Sitz der Götter in großartigen Palästen inmitten prächtiger Gärten. Sie baut dort die Pfirsiche der Unsterblichkeit an, die nur alle dreitausend Jahre reif werden und lädt zu diesem Anlass alle Unsterblichen jeweils zu einem großen Festmahl ein. Im berühmten Roman „Die Reise nach Westen“ wird beschrieben, wie der Affe Sun Wukong 孙悟空 eines dieser Feste störte.

Sie gilt als Lehrerin, Göttin heiliger Berge, Göttin des Westens und des Himmels, Schamanin, Göttin der Sterne und göttliche Weberin. Sie soll das Dao verwirklicht und damit Unsterblichkeit erlangt haben. Beschrieben wird sie u.a. als Wesen mit Leopardenschwanz und Tigerzähnen, das wie der Wind pfeifen kann.

Im Daoismus der Tang Dynastie galt sie als höchste weibliche Gottheit.

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 Betreff des Beitrags: Re: Chinesische Mythen und Sagen
BeitragVerfasst: 18.02.2011, 18:26 
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Dann wäre da noch die Geschichte von Du Yu 杜宇, der als König Wang 望帝 in der Frühlings- und Herbstperiode das Königreich Shu 蜀国 regierte. Er hatte eine Affäre mit der Frau seines Kanzlers Bie Ling 鳖灵, soll sich dafür aber so geschämt haben, dass er – laut einigen Versionen – als König abdankte und sich als Eremit zurückzog - laut anderen Versionen - Selbstmord beging. Schließlich verwandelte er sich in einen Kuckuck und schrie so lange seine Missetat hinaus, bis er Blut schrie. Jedes Frühjahr färbt er mit seinem Blut die Azaleen rot.

Auch zu dieser Geschichte gibt es ein Sprichwort: 子规啼血 zi3 gui1 ti2 xue4 oder 杜鹃啼血 du4 juan1 ti2 xue4, die beide soviel wie „trauriges Klagen“ bedeuten.

In seinem Buch „Lexikon chinesischer Symbole“ schreibt Wolfram Eberhard zum Stichwort „Kuckuck – pu-ku“
Zitat:
Der chinesische Kuckuck wird auch Tu-chüan genannt. Der Legende zufolge war dies ein Herrscher von Szu-ch’uan und heißt auch „die Seele von Shu“ (Shu ist ein alter Name für Szu-ch’uan). In der Bon-Religion der Tibeter gilt der Kuckuck als heiliges Tier, weil er die Ahnin des Stifters der Bon—Religion geschwängert habe. Man sagt, dass er so lange schreie, bis er Blut spucke, aus dem dann die Azalee ihre Farbe hat. Ein Stamm der Nichtchinesen in der Provinz Kui-chou beweint seine Toten erst, wenn der Kuckuck wieder zurückgekehrt ist. Für die Bauern in Szu-ch’uan ist er ein wichtiges Tier, weil er die Zeiten für landwirtschaftliche Arbeiten angibt. So hat er Beinamen wie „Weizen ernten“, „der uns bedrängt, dass wir pflügen“, „der, der auf die Seidenraupen achtet“, „der, der auf das Feuer achtet“. Feuer meint hier wohl den Feuerstern, dessen Erscheinen wichtiger Anhaltspunkt für die Bauern war.


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„Chinese Mythology A-Z“ von Jeremy Roberts
„Traditional Chinese stories: themes and variations" von Yau-Woon Ma und Joseph S. M. Lau
Messenger of spring and morality: cuckoo lore in Chinese sources - interessante Abhandlung über die vier unterschiedlichen Begriffe: 鸤鸠 shi1 jiu1, 布谷 bu4 gu3, 杜鹃 du4 juan1 und 戴胜 dai4 sheng4 sowie über die Symbolik rund um den Kuckuck.




Zur Zeit der Streitenden Reiche lebte ein Mann namens Feng Xuan 冯谖 unter dem Dach von Meng Changjun 孟尝君, dem Premierminister des Staates Qi von dessen Wohltätigkeit. Eines Tages schickte Meng Changjun Feng Xuan aus, die Pacht von den Bauern seiner Ländereien in Xue 薛einzutreiben. Feng Xuan erzählte den Bauern, alle Pachtverträge seien aufgelöst und sie bräuchten nichts mehr zu zahlen. Die Bauern waren hocherfreut und dankten ihrem Gönner Meng Changjun für seine Güte. Als Feng Xuan zu Meng Changjun mit leeren Händen zurückkehrte, sagte er zu Meng Changjun, statt Geld habe er ihm Gerechtigkeit mitgebracht.

Ein Jahr später wurde Meng Changjun seines Amtes enthoben und er kehrte in sein Dorf zurück. Er war sehr überrascht, dass er von den Bauern mit großer Herzlichkeit empfangen wurde. Zu Feng Xuan sagte er: „Jetzt sehe ich die Gerechtigkeit, die du mir gebracht hast“. Feng Xuan sagte: „Ein schlauer Hase hat nicht nur einen Bau, sondern drei, um sich zu verstecken. Du aber hast nur einen. Das ist nicht sicher genug. Ich werde dir zwei weitere bauen”.

Feng Xuan ging zum König von Wei und sagte, der König von Qi habe Meng Changjun degradiert und wer ihm auch immer ein Amt gebe, werde reich und mächtig. Der König von Wei schickte eine Delegation mit einer großen Menge Gold und vielen Wagen zu Meng Changjun, um ihn zu drängen, in seinem Staat Premierminister zu werden. Meng Changjun lehnte das Angebot aber ab. Dreimal kehrte die Delegation zurück, wurde aber jedesmal zurückgewiesen. Als der König von Qi davon hörte, schickte er seinerseits eine Delegation mit Gold, Wagen und Schwertern, um seinen früheren Premierminister wieder in Amt und Würden einzusetzen. Feng Xuan gab Meng Changjun den Rat, den König um den königlichen Schrein und die Opfergefäße zu bitten und diese nach Xue zu bringen. Als das geschehen war, sagte Feng Xuan zu Meng Changjun: „Jetzt sind die drei Bauen alle bereit und du kannst dein Kissen aufschütteln und gut schlafen.“

Aus dieser Geschichte stammen die beiden Sprichwörter: 高枕无忧 gao1 zhen3 wu2 you1 und 狡兔三窟 jiao3 tu4 san1 ku1. Das Erste bedeutet “sich in Sicherheit wiegen“ und das Zweite "für alle Eventualitäten gewappnet sein".

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