Eine berühmte Geschichte ist auch die von
Xi Shi 西施, einer der vier Schönheiten* des alten China. Sie soll so schön gewesen sein, dass wenn sie sich über ein Geländer lehnte, um die Fische im Teich zu beobachten, die Fische von ihrer Schönheit geblendet auf den Boden des Teichs sanken. Sie soll die Tochter eines Teehändlers gewesen sein und zur Zeit der Frühlings- und Herbstperiode im Königreich Yue gelebt haben.
Das Königreich Yue wurde vom Königreich Wu besiegt und
König Gou Jian von Yue 越王勾踐 wurde von
König Fu Chai von Wu 吳王夫差 drei Jahre lang gefangengenommen. Nach seiner Freilassung ließ Gou Jian nach dem schönsten Mädchen in seinem Reich suchen, um es Fu Chai als Tribut zu schenken, mit dem Hintergedanken, dass ihm das schöne Mädchen dabei behilflich sein sollte, das Königreich Yue zu stürzen.
Xi Shi wurde gefunden und sie war damit einverstanden, ihr Leben für ihr Königreich zu opfern. In Begleitung von Minister Fan Li machte sie sich auf die Reise zu König Fu Chai. Auf der Reise verliebten sich Xi Shi und Fan Li ineinander, was aber nichts an ihrem Auftrag änderte. König Fu Chai war beglückt über das Geschenk und Xi Shi verstand es, ihn so sehr für sich zu gewinnen, dass er die Regierungsgeschäfte immer mehr vernachläßigte. Schließlich war das Land derart geschwächt, dass es leicht von außen angegriffen werden konnte. König Gou Jjan hatte sein Ziel erreicht. Er nahm das Königreich Wu ein und konnte sich so für die erlittene Demütigung rächen.
Eine Legende sagt, dass Xi Shi schließlich in den Westsee bei Hangzhou verwandelt worden sei, eine andere, dass sie und Fan Li gemeinsam auf ein Boot gestiegen und weggefahren seien. Wieder eine andere Legende sagt, Xi Shi sei in einem Fluss ertrunken.
* die anderen drei sind:
Wang Zhaojun 王昭君, die so schön gewesen sein soll, dass die Vögel vor Entzücken vom Himmel fielen,
Diaochan 貂蝉, deren Schönheit selbst den Mond verlegen machte, so dass er sein Gesicht abwandte, wenn er ihres erblickte und
Yang Guifei 杨贵妃, deren Schönheit alle Blumen beschämte.
Die beiden Sprichwörter
沉鱼落雁 chen2 yu2 luo4 yan4 (Fische sinken, Wildgänse fallen) und
闭月羞花 bi4 yue4 xiu1 hua1 (der Mond wegschließen, die Blumen beschämen) beschreiben beide weibliche Schönheit.
Die Geschichte von
Ma Gu 麻姑, einer Unsterblichen aus dem Daoismus, die als junges Mädchen von 18 oder 19 Jahren beschrieben wird mit klauenartigen Fingernägeln und übersinnlichen Fähigkeiten. So konnte sie Reis in Perlen verwandeln und kannte das Geheimnis des Lebenselixiers. Sie gilt als Symbol für langes Leben, weil sie nie älter als 18 oder 19 wird, aber schon dreimal miterlebte, wie sich das Ostchinesische Meer in ein Maulbeerfeld verwandelte (ein Prozess, der laut Überlieferung Abermillionen von Jahren dauert).
In der Biographie der Unsterblichen
Shenxian Zhuan 神仙传 von
Ge Hong 葛洪 wird in der Hagiographie von Wang Yuan《王远传》beschrieben, wie Ma Gu eines Tages ins Haus von Cai Jing 蔡经 eingeladen wurde und wie der ihre klauenartigen Fingernägel sah und für sich dachte, wie gut wäre es doch, wenn sie mir mit ihren Nägeln meinen juckenden Rücken kratzen könnte. Dieser Gedanke wurde je nach Version entweder von Wang Yuan oder Ma Gu gelesen und Cai Jing wurde dafür von unsichtbarer Hand ausgepeitscht.
Und dann gibt’s da noch die Geschichte von
Xiwangmu 西王母, der Königinmutter des Westens, einer der ältesten Gottheiten der chinesischen Myhologie. Sie lebt auf dem Kunlun Berg, dem legendären Sitz der Götter in großartigen Palästen inmitten prächtiger Gärten. Sie baut dort die Pfirsiche der Unsterblichkeit an, die nur alle dreitausend Jahre reif werden und lädt zu diesem Anlass alle Unsterblichen jeweils zu einem großen Festmahl ein. Im berühmten Roman „Die Reise nach Westen“ wird beschrieben, wie der Affe Sun Wukong 孙悟空 eines dieser Feste störte.
Sie gilt als Lehrerin, Göttin heiliger Berge, Göttin des Westens und des Himmels, Schamanin, Göttin der Sterne und göttliche Weberin. Sie soll das Dao verwirklicht und damit Unsterblichkeit erlangt haben. Beschrieben wird sie u.a. als Wesen mit Leopardenschwanz und Tigerzähnen, das wie der Wind pfeifen kann.
Im Daoismus der Tang Dynastie galt sie als höchste weibliche Gottheit.