Ein interessantes Detail in der Googleaffaere: Eine Woche vorm Platzen der Google bombe hat Hilary Clinton mit CEOs von einigen Toptech Firmen, u.a. Twitter, Google, Microsoft usw. getroffen, um ueber "how the Internet and gadgets can intersect with the nation’s foreign diplomacy needs. " zu sprechen.
link. Die Amerikanische Regierung unterstuetzt z.Zt. offen oder verdeckt die Aufbau von Kommuikationsinfrastrukturen in Konfliktgebieten. Man denke z.B. an die Rolle des Twitters waehrend der iranischen Unruhe. In Kongo und in Parkistan gehoeren jeweils die groessten Mobilfunknetze direkt der amerikanischen Regierung. Der Sinn von solchen Investionen hat der US Senator Luger sehr gut in der Artikel
twitter vs. terror zusammengefasst: "using the capabilities of modern communications and social networking technologies to win hearts and minds". Die Zeiten von good old "Voice of america" sind halt vorbei, heute setzt man aufs Netz.
Google ist kein social network, das "win hearts" ist denen aber mit dieser Aktion ausgesprochen gelungen. Auf der chinesischen Markt war fuer Google eh nicht viel zu verdienen, abgesehen von der Gaengelung der Behoerden kann die Kerngeschaeftsstrategie von Google wegen der besonderen politischen Situation niemals ganz ausgefuellt werden. Also waehlt man einfach mal den radikal Schritt und surft mit auf der anti-chinesischen Welle. Die finanzielle Verlust auf der chinesischen Markt wird mit enormen Imagegewinn im Westen wettgemacht. Ausserdem tut man eigener Regierung ein Gefallen (Hilary hat ja sofort Stellung bezogen) und verschafft sich schon mal Luft, falls irgendwann Kartellverfahren kommen sollte. Dieser Zug hat, wuerde ich mal sagen, die KP voll in die Weichteile getroffen. Die Reaktion von Gizmo's Freundin ist symptomatisch fuer die moderne, urbane Juengeren Chinesen.
link. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Googlebombing mit beleidigen Begriffen von der chinesischen Stellen ausging, um die aufkeimende Sympathie zu tilgen und nicht ganz als Verlierer aus der Geschichte rauszukommen. Wenn das so ist, ist diese Massnahme ja auch durchaus gelungen. Ich habe im Netz ebenfalls beobachtet, wie die Stimmung unter chinesischen Netzbuergern z.Zt. umschwenkt, gerade wegen diesen Beleidigungen.
Letztlich ist die Angst von KP vor Google gut verstaendlich. Die Datenmenge, die google in China sammelt und auswertet, kann ohne weiteres von den USA aus zugegriffen werden. Geruechte nach tauchen in der Googlezentralle hin und wieder mal Besuche aus Langley auf. Das schmeckt der KP selbstverstaendlich nicht. Die Attacke, von den Google berichtet, hat u.a. den Source Repository und/oder Datenbankbestaende gegolten. Da ist das Interesse an "was treibt ihr da so" offensichtlich. Die Zugriffe auf Konten von "Menschenrechtlern" ist imho Rauchbombe von beiden Seiten. Sowas gibt's schon seit Jahren und Google platzt ausgerechnet jetzt damit aus? Laecherlich
Noch ein Beispiel, warum die Chinesen nicht wollen, wichtige infrastrukturelle Elemente in den Haenden der Amerikaner liegen: Die Namensaufloesung von baidu war vor paar Tagen stundenlang gestoert. Es wurden naemlich Aenderung direkt in den Toplevel DNS Servern (also die "Wurzeln" und "Obersten Datenbank"von allen Netzadressen der ganzen Welt) vorgenommen, die allesamt in den USA stehen. Am Ende will natuerlich keiner Schuld gewesen sein.
Aquadraht hat geschrieben:
Ich denke auch, dass die Hackerangriffe, die Google zum Anlaß für seine PR-Aktion genommen hat, nicht sehr wahrscheinlich aus Kreisen der chinesischen Regierung oder Dienste gestartet wurden. Auch die waren etwas plump. Da würde ich eher Fanatiker aus der Fenqing-Ecke dahinter vermuten als professionelle Schnüffler.
Den Chinesen/der Chinesischen Militaer wird schon seit Jahren bezichtigt, Cyberspionage zu betreiben. Aussagenkraeftige Beweise wurde bisher aber noch nie welche vorgelegt. Hab neulich nen Artikel gelesen, der behauptet, dass neue Indizien belegen, dass die chinesische Regierung hinter den Googleattacken stecken. Die "Indizien", die genannt wurden, sind aber von voellig belangloser technischen Natur. Wie z.B. dass der Server ein dynlinux DNS hat, was fuer Tools verwendet wurde, was fuer eine Luecke wohl ausgenutzt wurde usw.. Nichts davon hat damit zu tun, dass die Quelle der Angriffe eindeutig identifiziert ist oder gar dass die chinesische Milltaer mit untergelassener Hose erwischt wurde, behauptet wird's aber trotzdem. Ich musste nach dem Lesen echt lachen. So plumpe Propaganda habe ich auch schon lange nicht mehr gesehen.... Wenn man die Kommentare zum Artikel aber mal liest, stellt man fest, dass kein einziger diese "Indizien" in Frage gestellt hat, hauptsache es sieht technisch aus, da man's nicht versteht, glaubt man's lieber gleich......sigh. Heisst natuerlich nicht, dass die Chinesen keine Cyberspionage betreiben, ganz im Gegenteil, die sind drin sicher nicht klein. Andererseits: Jeder amerikanischer Unternehmer kann mit ausreichenden Begruendung bei der NSA/CIA beantragen, dass die Datenverkehr von einer in/auslaendischen Firma mit geschnitten und denen ueberlassen wird. Die Service ist kostenfrei. Sowas aehnliches bietet uebrigens auch der BND an. Im Westen nichts neues, machen alle. Die Chinesen sind z.B. durchaus Opfer von solchen Praxen geworden. Vor 'paar Jahren wurde grosse Menge von Blutprobeninformation von chinesischen Urvoelkern "entwedet" und ueber Umwegen von Harvard und Uni Sydney bei einigen westlichen Pharmakonzernen gelandet. (Na, wer steckte wohl dahinter??

) Man kann mit Hilfe von medizinischen Veroeffentlichungen, die diese Datensaetze verwenden, noch den Weg zurueckverfolgen. Link habe ich dazu leider nicht parat, jedenfalls nichts englisch- oder deutschsprachiges, man schweigt im Westen ja lieber ueber sowas mal aus.

Was lernen wir aus der Sache?
1. die Interessenkonflikte zwischen China und den Westen spitzen sich zu.
2. Noch nie war es so einfach, oeffentliche Meinungen zu manipulieren.
3. Google's Zug wird sicher ins PR-Lehrbuch aufgenommen.
Gruss
/dev/urandom
_________________
Yet Another Boring
BlogIf you are what you eat, what are the vegetarians?